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Der TTR-Wert

Ein Erklär- und Meinungsbeitrag

Wer ist objektiv und kontrolliert unmittelbar nach Punktspielen die Gemütslage von vielen tausenden Tischtennisspielern? Richtig, der TTR-Wert! Inzwischen fast bundesweit eingeführt ist dieser Bewertungsmaßstab aus dem deutschen Tischtennissport mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Wir erklären Euch alles, was Ihr zum TTR-Wert und TTR-Rechnern wissen müsst. Dabei gehen wir auch auf die vielfältigen Standpunkte der Tischtennis-Community zu diesem kontroversen Thema ein.

 

Was ist der TTR-Wert?

Der TTR-Wert ist eine statistisch ermittelte Punktzahl, die Euer derzeitiges Tischtennis-Leistungsniveau tagesaktuell abbilden eine Vergleichbarkeit zu anderen Spielern herstellen soll. “TTR“ ist eine Abkürzung aus dem Englischen und steht für “Tischtennis-Ranking“. Der drei- oder vierstellige TTR-Wert ändert sich unmittelbar nach jedem TTR-relevanten Wettkampf, also nach offiziellen Punktspielen und Turnieren. Durch Siege gewinnt Ihr TTR-Punkte hinzu, durch Niederlagen büßt Ihr Punkte ein. Wie der TTR-Wert genau berechnet wird, erfahrt Ihr im Laufe dieses Beitrags / hier [Link].

 

Was ist ein TTR-Rechner?

Ein TTR-Rechner ist ein Online-Tool, mit dessen Hilfe Ihr Euch Euren neuen TTR-Wert unmittelbar nach einem absolvierten Punktspiel oder Turnier ausgeben lassen könnt. Nach der offiziellen Erfassung des Spielberichts (durch die Heimmannschaft) bzw. des Turnierberichts (durch den Veranstalter) steht der neue TTR-Wert innerhalb von spätestens vierundzwanzig Stunden fest. Wer die offizielle Berechnung des TTR-Wertes von click-tt bzw. mytischtennis nicht abwarten möchte (zum Beispiel aufgrund eines glorreichen Turniererfolgs), greift auf einen TTR-Rechner zurück und befriedigt damit die Neugier, wie viele TTR-Punkte am zurückliegenden Wettkampftag hinzugewonnen oder verloren wurden. Derartige Software gibt es sowohl als App als auch für den Browser Eurer Wahl. Voraussetzung für die Nutzung ist, dass Ihr die relevanten Parameter zur Berechnung Eures neuen TTR-Wertes kennt. Sofern Ihr diese parat habt, könnt Ihr also beruhigt sein: Ihr kommt um die Erstellung aufwändiger Excel-TTR-Tabellen herum und könnt entspannt die vorhandenen Tools nutzen.

Wir empfehlen Euch die Nutzung unseres Xolay TTR-Rechners. Er ist kostenfrei, kinderleicht zu bedienen und gibt Euch zuverlässig Euren neuen – hoffentlich höheren – TTR-Wert aus. Am besten markiert Ihr Euch diese Seite als Lesezeichen in Eurem Browser, um den Xolay TTR-Rechner jederzeit griffbereit zu haben. Sollten einmal Änderungen an der TTR-Berechnungsformel vorgenommen werden, passen wir unseren TTR-Rechner selbstverständlich an, sodass er immer aktuell ist.

 

Was ist der QTTR-Wert?

Beim QTTR-Wert bzw. Quartals-TTR-Wert handelt es sich um genau den TTR-Wert, über den Ihr an einem bestimmten Stichtag verfügt. Der QTTR-Wert ist nach der Berechnung für das gesamte folgende Quartal gültig, bis er am folgenden Stichtag (zwei bis vier Monate später) “überschrieben“ wird. Die Unterscheidung zwischen TTR-Wert und QTTR-Wert ist notwendig, weil letzterer durch die zentrale, zeitlich fixierte Ermittlung eine verlässliche Grundlage für die Meldung von Mannschaftsaufstellungen und Turniere gewährleistet. Wollt Ihr Euch also in der Aufstellung endlich an Euren langjährigen Teamkollegen vorbei spielen oder bei der nächsten Meisterschaft in der oberen Turnierhälfte gesetzt sein, sollte Euer TTR-Wert am QTTR-Stichtag möglichst hoch sein.

 

Wann wird der QTTR-Wert aktualisiert?

Die neuen QTTR-Werte werden jeweils am 11.02, 11.05, 11.08 und 11.12 eines jeden Kalenderjahres berechnet. Sie kommen – zum Ärger einiger Spieler – normalerweise einige Tage später heraus, weil der Berechnungszyklus geringfügigen Schwankungen unterliegt. Anschließend stehen sie Euch als QTTR-Liste über die Plattform click-tt kostenlos zur Verfügung. Der QTTR-Erfassungszeitraum von August bis Februar beträgt vier Monate, um mit dem letzten QTTR-Wert des Jahres noch möglichst alle Ergebnisse der Punktspiel-Hinserie abzudecken.

 

Wo kann ich den TTR-Wert nachschauen?

Die QTTR-Werte werden nach Abschluss der Berechnung von den Tischtennis-Verbänden (z.B. Bayerischer Tischtennis-Verband) auf der Plattform click-tt veröffentlicht, wo sie von Vereinen und Aktiven kostenfrei eingesehen werden können. Darüber hinaus ist es möglich, über das Portal mytischtennis.de auf die Werte zuzugreifen. Hierfür ist einmalig das Anlegen eines persönlichen Basis-Accounts erforderlich. Dieser ist zwar gebührenfrei, doch wer zusätzlich zum QTTR-Wert auch Zugriff auf den tagesaktuellen TTR-Wert haben möchte, muss eine Premium-Mitgliedschaft zum Preis von 1 € pro Monat (Stand 28.12.2020) abschließen.

 

Wie wird der TTR-Wert berechnet?

Entscheidend für die Ermittlung Eures neuen TTR-Wertes ist die Gewinnwahrscheinlichkeit (auch: Gewinnerwartung), die Euch in Relation zur Spielstärke Eures Gegners vorhergesagt wird. Besitzt Euer Kontrahent deutlich mehr TTR Punkte als Ihr, dann ist die Wahrscheinlichkeit, mit der Ihr als Sieger vom Tisch geht, eher gering. Könnt Ihr ein solches Spiel dennoch für Euch entscheiden, erhaltet Ihr viele TTR-Punkte hinzu. Seid Ihr aber der klare Favorit und gewinnt das Match, müsst Ihr Euch mit einem kleineren TTR-Zuwachs begnügen. Entscheidend für die Berechnung der Gewinnwahrscheinlichkeit ist also der Abstand zwischen den TTR-Werten beider Spieler. Beträgt dieser Abstand 224 TTR-Punkte oder mehr, so erhält der Favorit im Fall eines Sieges normalerweise keinen Punktezuwachs mehr und der unterlegene Spieler bleibt ohne Punktverlust bei seinem bisherigen TTR-Wert. Die Gewinnwahrscheinlichkeit für die verschiedenen Konstellationen könnt Ihr unserer Grafik entnehmen. [Grafik tt-tools]

Nachdem Euch die Gewinnwahrscheinlichkeit jetzt bekannt ist, müsst Ihr diese für die Ermittlung des TTR-Wertes nur noch mit der Änderungskonstante multiplizieren. Die Höhe der Änderungskonstante beträgt mindestens 16, wobei sie unter verschiedenen Voraussetzungen auch höher sein kann. Diese Regelung gibt es, um Spielern, deren Spielniveau man nicht so gut einschätzen kann, zeitnah einen realistischen TTR-Wert zuordnen zu können. Sie greift zum Beispiel bei jungen Spielern, denen man ein höheres Trainingspensum und somit eine vergleichsweise schnelle Änderung der Spielstärke unterstellt. Im Ergebnis erhalten unter 21-Jährige eine Änderungskonstante von 20 Punkten (+4), Spieler unter 16 Jahren gehen mit einer Änderungskonstante von 24 Punkte (+4) an den Start.

Unabhängig davon wird bei Spielern, die seit über einem Jahr nicht an TTR-relevanten Wettkämpfen teilgenommen haben, für die nächsten 15 Einzel ebenfalls +4 auf die Änderungskonstante addiert. Dasselbe gilt, wenn bisher weniger als 30 Einzel von der betroffenen Person in der Datenbank erfasst wurden. Maximal kann eine Änderungskonstante von 32 erreicht werden, dafür müssen jedoch alle Faktoren vorliegen. Wichtig für das Verständnis ist, dass eine hohe Änderungskonstante in beide Richtungen ausschlägt: Sie sorgt dafür, dass ein einzelnes Match größere Auswirkungen auf den neuen TTR-Wert hat, dies kann jedoch sowohl ein starker Anstieg als auch ein starker Abfall sein.

 Wir möchten Euch die Berechnung des TTR-Wertes an einem Beispiel zeigen:

„Thomas“ ist 52 Jahre alt und spielt seit langer Zeit in der 1. Kreisliga; sein TTR-Wert beträgt 1510 Punkte. Da er die relevanten Altersgrenzen überschritten hat und ein aktiver Spieler ist, bleibt seine Änderungskonstante beim Basiswert 16.

Im Punktspiel trifft er auf den 19 Jahre alten „Sebastian“, der als Kind regelmäßig am Spielbetrieb teilgenommen hat, zuletzt jedoch wegen einer Verletzung für die Dauer von 20 Monaten pausieren musste. Sebastian hat einen TTR-Wert von 1470 und eine Änderungskonstante von 24, weil er im vergangenen Jahr an keinem TTR-relevanten Wettkampf teilgenommen hat (+4) und jünger als 21 Jahre ist (+4).

 Die TTR-Differenz zwischen beiden Spielern beträgt (1510-1470) = 40 Punkte. Für den statistisch als leichten Underdog einzuschätzenden Sebastian ergibt sich eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 35,11 %, während der favorisierte Thomas mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 64,89 % in das Spiel geht.

 

Spielausgang aus Sicht von Spieler A
Gewinnt Thomas, lautet die Rechnung wie folgt: 1510 + (1 – 0,6489) x 16 = 1515,6176 1516
Nach Rundung des Ergebnisses erhält Thomas für diesen Sieg einen TTR-Zuwachs von sechs Punkten. Sein neuer TTR-Wert beträgt 1516.

Verliert Thomas, sieht die Berechnung so aus: 1510 – 0,6489 x 16 = 1499,6176 1500
Thomas verliert nach dieser Niederlage zehn TTR-Punkte, sein TTR-Wert sinkt auf 1500 Punkte.

Spielausgang aus Sicht von Spieler B
Um die neuen TTR-Werte von Sebastian ausrechnen zu können, müssen sein bisheriger TTR-Wert (1470), seine Änderungskonstante (24) und die Gewinnwahrscheinlichkeit (0,3511) in die Formel eingefügt werden.

Für einen Sieg von Sebastian ergibt sich: 1470 + (1 – 0,3511) x 24 = 1485,57 1486
Sebastian für diesen Sieg einen TTR-Zuwachs von sechzehn Punkten. Sein neuer TTR-Wert beträgt 1486.

Verliert Thomas, sieht die Berechnung folgendermaßen aus: 1470 – 0,3511 x 24 = 1461,5736 1462
Sebastian verliert nach dieser Niederlage acht TTR-Punkte, sein neuer TTR-Wert beträgt 1462.

 Wie Ihr seht, unterscheidet sich die Formel für die TTR-Berechnung abhängig davon, ob Ihr gewonnen oder verloren habt. Im Fall eines Sieges arbeitet Ihr mit der sogenannten Gegenwahrscheinlichkeit „(1 – X)“, während dieser Term bei einer Niederlage durch die negative Gewinnwahrscheinlichkeit ersetzt wird. In beiden Fällen identisch positioniert ist der alte TTR-Wert des Spielers sowie die Änderungskonstante.

Aufgrund der unterschiedlichen Änderungskonstanten der beiden Spieler ist es in diesem Fall so, dass sich die hinzugewonnen bzw. verlorenen TTR-Punkte nicht ausgleichen. Dies stellt jedoch eher einen Ausnahmefall dar, insbesondere im Erwachsenenbereich haben beide Spieler in der Regel eine Änderungskonstante von 16.

Für Euren Alltag als Tischtennisspieler müsst Ihr die Gewinnwahrscheinlichkeit nicht in einer Tabelle nachsehen, denn dies übernimmt mytischtennis.de oder ein TTR-Rechner für Euch. Bei letzterem gebt Ihr die alten TTR-Werte der beiden Spieler ein, macht einige Angaben zur Änderungskonstante und erhaltet anschließend Euren neuen TTR-Wert. Praktisch ist darüber hinaus, dass mit Hilfe dieser Anwendungen und der automatischen Berechnung beliebig viele Matches gleichzeitig verarbeitet und zu einem neuen TTR-Wert ausgegeben werden können. Auch unser Xolay TTR-Rechner verfügt über diese Funktion – Ihr könnt also beliebig viele Ergebnisse eintragen. 

 

Welcher Spieler hat den höchsten TTR-Wert?

An der Spitze der bundesweiten Joola-Rangliste steht derzeit Timo Boll (Borussia Düsseldorf) mit einem TTR-Wert von 2633. Jedoch finden sich in dieser Auflistung lediglich die aktuell oder ehemals in Deutschland aktiven Tischtennisspieler sowie Profis mit deutscher Staatsangehörigkeit. Internationale Topstars wie Ma Long oder Mima Ito sucht man hier vergeblich. Wobei dieser Umstand den genannten Personen vermutlich herzlich egal sein wird, weil im Spitzensport vor allem die ITTF-Weltrangliste von Bedeutung ist.

Die Spieler und Spielerinnen mit den besten TTR-Werten in den einzelnen Landesverbänden (z.B. Bayerischer Tischtennis-Verband, Fachverband Tischtennis Bremen usw.) lassen sich bequem über die Filteroptionen im Premium-Bereich von mytischtennis.de herausfinden. Hier sind den Datenfreaks unter Euch kaum Grenzen gesetzt: Ihr könnt beispielsweise nach Geschlecht, Jahrgängen oder Nationalitäten suchen, jeweils mit einem verschiedenen Suchradius (Verband, Bezirk, Kreis, Verein).

 

Die Entstehung des TTR-Wertes

Die Geschichte des TTR-Wertes beginnt im Jahr 2006 als Idee zur besseren Vermarktung des Tischtennissports und der damit verknüpften einheitlichen digitalen Datenverarbeitung. Vier Landesverbände (TTVN, WTTV, HeTTV, TTVWH) gründeten gemeinschaftlich die click-tt GmbH, die fortan mit diesen beiden Aufgaben betraut war. Zur Einführung des TTR-Wertes kam es im Jahr 2011. Unmittelbar vorher war auch das rechtlich abgespaltene Portal mytischtennis.de gegründet worden, in dem die Rankings eingesehen werden können und zusätzlich journalistische Inhalte zum Thema Tischtennis bereitgestellt werden. Während der TTR-Wert zu Anfang nur in einigen wenigen Verbänden genutzt wurde, erweiterte sich dieser Kreis im Laufe der Jahre stetig. Heute verzichten nur noch die Tischtennis-Verbände von Berlin, Sachsen und Schleswig-Holstein auf das System. Dort wird mit der Kennziffer „LivePZ“ (Live-Punktzahl) gearbeitet, die quasi identisch mit dem TTR-Wert ist.

Vor der Existenz des TTR-Wertes haben die Landesverbände individuell geregelt, wie die Spielstärke der Spieler gemessen wird. Hier bei uns in Hamburg gab es z.B. die sogenannte Leistungskennziffer (LKZ), bei der den Spielern abhängig von der Spielklasse, in der sie gemeldet waren, einen Startwert zugewiesen wurde. Je Sieg kamen – gestaffelt nach Paarkreuz – eine fixe Anzahl an Punkten hinzu, während für Niederlagen pauschal ein Punkt abgezogen wurde. Vergleichbar waren die Ergebnisse nicht, weil die tatsächliche Spielstärke des Gegners nicht berücksichtigt und die punktmäßige Ligen-Differenz mehr schlecht als recht geschätzt werden musste.

 

Wie wird der TTR-Wert eines neuen Spielers festgelegt?

Die erstmalige Zuweisung eines TTR-Wertes für neue Spieler erfolgt durch die sogenannte dynamische Einstufung. Hierbei wird der Durchschnittswert aller vergleichbaren Spieler der Liga (dieselbe Position wie der Einzustufende) herangezogen oder der Mittelwert über die anderen Teilnehmer der Turnierkonkurrenz gebildet. Mit dem ermittelten TTR-Wert startet der neue Spieler in den Wettbewerb. Durch die erhöhte Änderungskonstante ist sichergestellt, dass sich dieser schon nach wenigen Matches dem tatsächlich Leistungsvermögen deutlich annähert.

Kann sich der TTR-Wert ändern, obwohl gar keine Spiele bestritten wurden?

Ja, das ist auf mehrere Arten und Weisen möglich. Der häufigste Fall ist der Abzug wegen Inaktivität. Wenn Ihr als Spieler des Erwachsenenbereichs ein Jahr lang nicht an einer TTR-relevanten Veranstaltung teilnehmt, werden Euch 40 TTR-Punkte abgezogen. Weitere 20 Punkte kommen je weitere sechs Monate Inaktivität hinzu.

Geringfügige Änderungen an Eurem TTR-Wert können darüber hinaus auch ohne Euer Zutun vorkommen, wenn zurückliegende Spiele in die Datenbank nachgetragen oder Korrekturen eines fehlerhaften Ergebnisses vorgenommen werden. Beides hat im Normalfall nur geringfügige Auswirkungen auf Euren aktuellen TTR-Wert.

 

Meinung

Sind TTR-Werte wirklich vergleichbar?

Eine viel diskutierte Frage… immer wieder hört man, dass Spieler, die z.B. in zwei verschiedenen Landesverbänden spielen und einen identischen TTR-Wert haben, trotzdem deutliche Leistungsunterschiede aufweisen. Das dürfte eigentlich nicht vorkommen, denn der TTR-Wert hat den Anspruch, Unterschiede zwischen Regionen, aber auch Geschlechtern sowie Ligen zu überbrücken und eine Vergleichbarkeit herzustellen.

Fakt ist: Ein Großteil der Aktiven absolviert Tischtennis-Wettkämpfe nur innerhalb der eigenen “Bubble“. Spielt Ihr zum Beispiel seit vielen Jahren in der 2. Bezirksliga in Hamburg, stellt sich die Situation so dar: Ihr und Eure Gegner wurden vor langer Zeit einmal mit einem bestimmten TTR-Wert eingestuft. Seitdem haben die wenigsten Spieler Eurer Staffel Wettkämpfe gegen Spieler von außerhalb absolviert (z.B. auswärtige Turnier, neue Spielklasse).

Wurden bei der Einstufung einer anderen “Bubble“ (z.B. Damen-Spielbetrieb oder anderer Landesverband) andere Maßstäbe angelegt, kann es sein, dass sich die beiden Blasen trotz ähnlicher realer Spielstärke signifikant im TTR-Wert unterscheiden. Ohne eine Durchmischung der Spielklassen durch Auf- und Abstiege, Damen in Herrenteams oder Teilnahmen bei überregionalen Veranstaltungen werden sich die TTR-Werte innerhalb der Blasen nicht bedeutend ändern.

Bei Vereinswechseln in einen anderen Landesverband kann es deshalb sein, dass ein Spieler zeitweilig “zu hoch bewertet“ oder “besser als seine Punktzahl“ ist, dieser verzerrende Effekt korrigiert sich jedoch nach wenigen Spieltagen und beschränkt sich unserer Einschätzung nach auf maximal 50-100 TTR-Punkte. Problematischer ist die Situation bei Turnieren: “Mogelt“ sich hier ein Spieler von außerhalb in eine für ihn zu schwache Konkurrenz, ist das natürlich nicht im Sinne des Wettbewerbs.

Verbesserungsvorschlag: Glättung des QTTR-Wertes

Grund für die Erhebung der QTTR-Werte ist die Ermittlung des aktuellen Leistungsstandes eines Spielers zu einem zentralen Zeitpunkt. Hat ein Spieler unmittelbar vor dem QTTR-Stichtag jedoch einen Wettkampf mit besonders großem Einfluss auf seinen TTR-Wert, so wird der QTTR-Wert eine große Differenz zur gewöhnlichen Spielstärke der Person aufweisen.

Um signifikante Ausschläge zu verhindern wird in der Tischtennisszene diskutiert, ob der QTTR-Wert die Spielstärke des Spielers im gesamten zurückliegenden Quartal widerspiegeln sollte, anstatt nur das Leistungsniveau zum Ende des Berechnungszeitraums anzuzeigen. Dies könnte mit Hilfe einer Mittelwert-Berechnung umgesetzt werden: Zur Ermittlung des QTTR-Wertes würden in diesem Fall alle TTR-Werte des zurückliegenden Quartals herangezogen und durch die Anzahl der Veranstaltungen in diesem Zeitraum dividiert.

 

Individuum vs. Mannschaft

Aus der eigenen Erfahrung können wir berichten, dass die Einführung der TTR-Werte durchaus einen höheren Fokus auf die reinen Ergebnisse bewirkt hat. Aus dem Blick geraten kann dabei angesichts des binär urteilenden TTR-Wertes (Sieg/Niederlage) die eigene Leistung: „Wie gut habe ich gespielt – kann ich zufrieden mit mir sein?“ Diese – für die sportliche Entwicklung wichtigen – Fragen spielen zunehmend weniger eine Rolle. Stattdessen verlieren sich Spieler in wenig zielführenden Szenarien wie z.B. „Wenn ich Spieler XY geschlagen hätte, wäre ich jetzt bei 1600 Punkten“.

Entwertet wird durch die TTR-Werte tendenziell auch das Gesamtergebnis der Mannschaft, was in einem Teamwettbewerb vermutlich die höchste Wertigkeit haben sollte. Auf die Spitze treiben es diejenigen, die die Eingangsdoppel lediglich „zum Einspielen“ nutzen. Die Kritik an TTR-Werten muss auch im gesellschaftlichen Kontext gesehen werden: Entsolidarisierung und Selbstoptimierung sind bekannte Phänomen, die durch die Einführung der TTR-Werte bestärkt wurden. An dieser Stelle sind Vereine und Mannschaften gefordert, übergeordneten Zusammenhalt zu fördern und gemeinsame Ziele festzulegen, für die sich alle Beteiligten ungeachtet von sekundären persönlichen Zielsetzungen ins Zeug legen.

Auf der Habenseite bleibt festzuhalten, dass einige Spieler durch die TTR-Werte in besonderer Weise sportlich angespornt werden, etwa einen bestimmten Grenzwert erreichen wollen und durch die Messbarmachung des Erfolges neue Motivation schöpfen. Speziell diese Spieler nehmen verstärkt an TTR-relevanten Turnieren teil, während andere vom Eingang in Wertungssystem eher abgeschreckt sind. Auch werden durch die TTR-Relevanz Einzel in Mannschaftswettkämpfen aufgewertet, bei denen das Gesamtergebnis bereits entschieden ist.

 

Streitfall click-tt / mytischtennis

Man darf zumindest hinterfragen, warum die Gründung von inzwischen zwei Kapitalgesellschaften im Zusammenhang mit der Einführung des TTR-Wertes nötig war, zumal die TTR-Punkte einem originär gemeinnützigen Verbandszweck dienen, nämlich der Gewährleistung des Sportbetriebs. Wenngleich die Digitalisierung den traditionellen Sport vor große Herausforderungen stellt und das Gehen neuer Wege wünschenswert ist, muss gewährleistet bleiben, dass in der neuen Struktur ein angemessener finanzieller Betrag in die Entwicklung der Sportart zurückfließt. Angesichts der enormen Datenmenge und der durchaus sensiblen Informationen, mit denen bei click-tt und mytischtennis gearbeitet wird, ist außerdem Wachsamkeit hinsichtlich der Datensicherheit- und des Datenschutzes geboten.

 Auch wenn vielfach Kritik an der technischen Umsetzung geübt wird, steht das Leistungsangebot von mytischtennis.de aus unserer Sicht aktuell in einem angemessenen Verhältnis zum Preis der Premium-Mitgliedschaft. Gleichwohl ist es ratsam, die Gesellschafterstruktur sowie die Preis- und Datenschutzpolitik der click-tt GmbH und der mytischtennis GmbH im Auge zu behalten. Die genannten Unternehmen finanzieren sich wesentlich durch die Verbandsabgaben und werden so letztlich von jedem vereinsmäßig organisierten Tischtennisspieler mitbezahlt. Das Geschäftsmodell fußt unter anderem darauf, mit Hilfe der von den Nutzern größtenteils selbst bereitgestellten Daten zumindest indirekt Werbeeinnahmen zu generieren. Das ist sicherlich legal und Alltag im digitalen Raum, doch markiert das Vordringen des Big-Data-Zeitalters in den vormals analogen, physisch erlebbaren Rückzugsort Tischtennis zweifelsohne einen Wendepunkt.

 

Profiteure und Leidtragende

Die TTR-Werte haben eine objektive Anspruchsgrundlage für viele Spieler geschaffen, eine höhere Position in der Mannschaftsmeldung ihres Vereins zu fordern, ohne dies explizit äußern zu müssen. Dies kam sowohl jungen Spielern als auch Personen ohne größere Lobby in ihrer Abteilung zugute und hat den sportlichen Wettbewerb innerhalb der Abteilungen forciert. Zum Bedauern einiger, speziell in den unteren Spielklassen, konnten lange zusammenspielende Mannschaften nicht mehr in derselben Art und Weise fortbestehen oder es mussten schmerzhafte Sperrvermerke akzeptiert werden. Unter dem Strich steht nach einem Gewöhnungsprozess ein Gewinn für den sportlichen Wettkampf, zumal mit der gelockerten Regelung für Ersatzspieler auch der das Aufstellen sportlich heterogener Mannschaften möglich bleibt.

 

Manipulationsgefahr

Sicherlich ist uns allen schon einmal ein Spielergebnis komisch vorgekommen, bei dem ein schwächerer Spieler mit vergleichsweise wenigen TTR-Punkten gegen einen deutlich höher bewerteten Spieler verloren hat. Liegt der Spieltermin auch noch nah an einem für die Mannschaftsmeldung relevanten QTTR-Stichtag, ist ein wenig Misstrauen durchaus angebracht. Denn im Ergebnis kann der unterlegene Spieler, welcher nun einen niedrigen QTTR-Wert erhält, möglicherweise in einer tieferen Mannschaft gemeldet werden oder einen Sperrvermerk außer Kraft setzen, wodurch sein Verein einen unfairen Vorteil erhält. Auch kann der Spieler selbst eventuell in niedrigeren Turnierkonkurrenzen starten, in denen er zu Unrecht hohe Erfolgschancen hat. In der Regel lassen sich Manipulationen des TTR-Wertes jedoch kaum nachweisen.

Ein prominentes Gegenbeispiel ereignete sich im April 2016 bei einem kleinen Turnier in Nauheim, als der mitspielende Mäzen des ausrichtenden Vereins sechs Spieler aus der mutmaßlich von ihm finanzierten ersten Mannschaft geschlagen haben soll und das Maximum von 96 TTR-Punkte hinzubekam. An dem Wettbewerb nahmen aufgrund eines geschickt gewählten Termins ausschließlich vereinseigene oder dem Verein nahestehende Personen teil. Ein in den sozialen Medien geteiltes Foto soll einen der Teilnehmer zum Zeitpunkt des Turniers im Urlaub abbilden, was die Zweifel am rechtmäßigen Zustandekommen des Turnierergebnisses weiter näherte.

Wenngleich es der Sportsgeist und die im Tischtennis glücklicherweise verbreitete Fairness den Aktiven gebieten müsste, Spielmanipulationen zu unterlassen, schafft der TTR-Wert durchaus einen Anreiz hierzu. Deshalb braucht es wachsame und ggf. einschreitende Spielausschüsse in den Landesverbänden, die dem Fehlverhalten einzelner Spieler und Vereine einen Riegel vorschieben.

 

TTR-Wert: Fluch oder Segen?

Wie so häufig, ist auch hier kein eindeutiges Urteil zu fällen, stattdessen muss die Thematik differenziert betrachtet werden. Im Vergleich zu vorigen Regelungen hat der TTR-Wert eine Vereinheitlichung der Spielstärkenbeurteilung über fast alle Landesverbände hinweg gebracht, die den Vergleich zwischen Spielern in verschiedenen Spielklassen erst ermöglicht oder wesentlich verbessert hat. Dem Anspruch der absoluten Objektivität und Korrektheit wird der TTR-Wert vor dem Hintergrund des „Bubble“-Effekts zwar nicht gerecht, dennoch ist diese Lösung unter dem Aspekt der Vergleichbarkeit die beste verfügbare, zumal sie laufend weiterentwickelt wird.

Dem Mannschaftsgeist und der Solidarisierung innerhalb der Vereine hat die Einführung der TTR-Werte hingegen einen Bärendienst erwiesen – hier sind die Vereine gefordert, kollektive Ziele in den Vordergrund zu rücken. Die meisten der einstigen Kritiker haben sich inzwischen wohl oder übel mit den neuen Regularien zur Mannschaftsmeldung und dem kostenpflichtigen Zugriff auf die TTR-Werte abgefunden. Inwiefern jedoch die teilweise Auslagerung der Services von click-tt und mytischtennis.de aus den Verbänden heraus in den privaten Sektor dem Wohl des Tischtennissports zuträglich ist, bedarf einer kontinuierlichen sowie kritischen Beurteilung durch die gesamte Tischtennis-Community.